Versailles, die Ruhr und des Reiches Eisenbahn
Die Reparationen und die Besetzung von Rheinland und Ruhrgebiet

 

Des Reiches Eisenbahn
Man kann die Reichsbahn nur verstehen wenn man die geopolitischen und historischen Gegebenheiten der Zeit mit einbezieht. Die Reichsbahn war ein Kind der Weimarer Reichsverfassung. Ohne den politischen und gesellschaftlichen Wandel im Winter 1918/1919 hätte es keine Reichs-Eisenbahn gegeben. Vor allem Bayern hat die Bildung der Reichsbahn mit seinen Sonder- und Spezialwünschen nicht gerade gefördert. Eigentlich wollte es seine Bahn nicht abgeben und die anderen Länder wollten den Kostgänger, der die Länderbahnen nun geworden waren, möglichst schnell los werden.

Versailles
Mit dem Frieden kam aber auch die Not ins Land. Die Wirtschaft lag darnieder, die Jugend kam an Körper und Geist gebrochen von den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges zurück. Die Eisenbahnen hatten neben hoch qualifiziertem Personal auch Material verloren. Mit einem Wort: die Lage war fatal. Man kann sich darüber streiten wer das Völkerschlachten verursacht hatte, entscheidend war das es zu lange statt gefunden hatte. Der Preis für den Frieden war der Friedensvertrag von Versailles, der dem Reich vor allem eine noch festzulegende Reparationsleistung, Schadenersatz, auferlegte. Es war sehr schnell klar das hierzu der wertvollste Vermögensgegenstand des Reiches in Anspruch genommen werden würde, die Eisenbahn.

Reparationen
Das vor allem Belgien und Frankreich ziemlich schlecht auf das Deutsche Reich zu sprechen waren ist verständlich. Schließlich hatte das Deutsche Heer ganze Landstriche recht gründlich verheert und so ziemlich alles was im unter die Finger kam gründlich kaputt gemacht. Hinzu kam das die Kriegsopfer und Verschuldung dieser Länder prozentual viel stärker ins Gewicht fielen. Aus diesem Grund ist es mehr als verständlich das man vom Reiche Schadenersatz verlangte. Und wie auch heute noch üblich klärte man erst die Zahlungspflicht um anschließend die Forderung zu titulieren. Die Pflicht fußte auf dem Friedensvertrag von Versailles, die Forderung wurde zuerst im Dawes- und später im Youngplan tituliert. Ohne Reparationspflicht bzw. die Erfüllungspläne hätte es die Reichsbahn (Gesellschaft) in dieser Form nie gegeben.

Bist du nicht willig, so gebrauche ich Gewalt! Besetzung des Ruhrgebiet.
Ob Deutschland seine Reparationspflichten tatsächlich nicht erfüllt hat bzw. hat erfüllen können, mögen Historiker klären. Zweifelsfrei ist das zwischen dem 11. und dem 16. Januar 1923 vor allem schlecht gelaunte Franzmänner mit ihren Utschebebbes im Schlepptau, mit viel Gepolter und Geschrei im Ruhrgebiet erschienen um sich die Kohle, auf die sie meinten Anspruch zu haben, selber zu holen. Der Pflichtbewusste deutsche Eisenbahner machte darauf hin erst mal gar nichts. Zum einen gab es hierfür weder Dienstvorschrift noch eine Dienstanweisung. Der Dienstherr war der gleichen Ansicht: wir machen gar nichts für diese nicht eingeladenen Kostgänger, man nannte das passiver Widerstand. Da ein deutscher Eisenbahner aber viel lieber mit seiner Eisenbahn spielt, spielte er halt auch mal Lokomotivenversenken und Gleisgewirr. Monsigneur Franzmann fand das wenig lustig und setzte die arbeitsunwilligen Eisenbahner mit einfacher Fahrkarte in das Reichsgebiet vor die Tür ihrer Dienstwohnung. Für das Reich war dies in zweierlei Hinsicht nicht wirklich komode. Zum einen musste es die Löhne und Gehälter weiter bezahlen, zum anderen war die Kohle des Ruhrgebietes nicht mehr verfügbar und es musste noch mehr eingeführt werden als ohnehin.  Während 1913 noch ca 24 Mill t Steinkohle aus Deutschland ausgeführt wurden, mussten 1922 7,5 Mill t eingeführt und 1923 in Folge der Ruhrbesetzung sogar 24 Mill t. Nicht zu vergessen das die Förderung im Vergleich zur Vorkriegszeit, auch durch Gebietsverluste, gesunken war. Wurden 1913 190 Mill t gefördert, so waren es 1922 130 Mill t Steinkohle. Und täglich wollten die hungrigen Lokomotiven der Reichsbahn ihre Feuerbüchsen mit leckerer Steinkohle gefüttert haben. Die Alliierten hatten das Reich an einer äußerst empfindlichen Stelle erwischt.